Heilpflanzen und Ihre Wirkstoffe
Phytotherapie und Heiltees
Phytotherapie - so nennt man die Lehre von der Behandlung mit Heilpflanzen. Seit es Menschen gibt, nutzen sie die heilenden Wirkungen von Pflanzen, sei es als Wundkraut, als Gegengift oder schlicht als Heil -Tee.
Jede Kultur auf der Erde verfügt über jahrhundertealtes Wissen über die speziellen Heilkräfte bestimmter Pflanzen. Sowohl die Volksheilkunde als auch die spätere Medizin überlieferten ihr gesammeltes Detail Wissen über die Wirkungen einzelner Pflanzen.
Sekundärstoffwechsel
Warum produzieren Pflanzen eigentlich Heilstoffe? Diese Frage kann bis heute nur sehr bruchstückhaft beantwortet werden. Pflanzen besitzen einen Primärstoffwechsel, der auf die Produktion von "Pflanzenstoff" (Blätter, Holz, Blüten, Pollen etc.) ausgerichtet ist. Daneben produziert die Pflanze in ihrem Sekundärstoffwechsel noch eine Vielzahl von arzneilich wirksamen Verbindungen, darunter ätherische Öle oder Flavonoide. Der Zweck der zusätzlichen Stoffe ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich dienen die Stoffe des Sekundärstoffwechsels dem Schutz der Pflanze, der Attraktivität der Blüte oder ähnlichen Zwecken.
Jede Pflanze produziert ihre ganz eigene und charakteristische Kombination aus Sekundärstoffen. Daher spricht man auch vom chemischen "Fingerprint" der Pflanze. Die Wirkung einer solchen Heilpflanze vorherzusagen ist hochkompliziert. Die reichste Wissensquelle sind alte Heilpflanzenbücher - kombiniert mit moderner wissenschaftlichen Forschung.
Heilpflanzenbücher
Seit Jahrtausenden sammeln und beschreiben Menschen ihre Erfahrungen mit Heilpflanzen, um ihr Wissen ihren Nachfahren weiterzugeben.
Berühmt ist das systematisch aufgebaute Heilpflanzenbuch des chinesischen Kaisers Shin-nong (etwa 3700 v.Chr.). Nicht weniger wichtig sind die Schriften und Überlieferungen der antiken und mittelalterlichen Naturheilkunde, beispielsweise von Hippokrates, Dioskurides Galen, Albertus Magnus, Paracelsus oder Hildegard von Bingen.
Heilpflanzenbücher beschrieben allesamt folgende Elemente:
Art der Heilpflanze (gegebenenfalls mit genauer Spezifikation)
Wirkstoffe
Medizinische Wirkung
Therapeutischer Einsatz Rezeptur (Menge, Verarbeitung, Verabreichung)
Wirkstoffe der Heil Tees
Wer sich intensiver mit Heil Tee beschäftigen möchte, für den ist es nützlich, etwas über die Wirkstoffe von Heilpflanzen zu wissen. Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen in Heil Tees gehören:
Alkaloide, ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Hormonstimulanzien, Kieselsäure, Salizylsäure, Saponine, Schleimstoffe und Vitamine.
Alkaloide
Alkaloide gehören zu den wirkungsstärksten Stoffen der Phytotherapie. Ihr Namen leitet sich von ihrer "alkalischen" (basischen) Eigenschaft ab (Gegenteil wäre "sauer"). Alkaloide sind stickstoffhaltige, wasserlösliche Substanzen wie beispielsweise Nikotin oder Koffein. Sie beeinflussen das Nervensystem und sind im Regelfall hochgiftig. Zu diesen gefährlichen Alkaloiden gehört:
das krampflösende Atropin der Tollkirsche oder das schmerzlindernde Morphin des Schlafmohns.
Bei Heil Tees verwendet man ausschließlich ungiftige Alkaloide wie:
Goldrute, Granatapfel, Heidelbeeren, Pastinak und Sauerdorn.
Ätherische Öle
Ätherische Öle sind wahrlich "unüberriechbar": Man kann sie schnell an ihrem Geruch erkenne. Sie setzen sich aus bis zu 100 verschiedenen Ölen zusammen, sind leicht flüchtig und finden sich in unterschiedlichen Konzentrationen (0,01 Prozent bis zu zehn Prozent) in den Heilpflanzen. Besonders hohe Konzentrationen ätherische Öle finden sich in:
Rosmarin, Thymian, Salbei, Fenchel und Pfefferminz.
Ätherische Öle wirken stark antibiotisch und desinfizierend, schließlich produziert die Pflanze diese Öle als Abwehrwaffe gegen Insekten, Bakterien und Pilze, Daneben besitze einzelne ätherische Öle spezifische Heilwirkungen:
Sie sind entzündungshemmend, auswurffördernd, harntreibend, Durch ihre Flüchtigkeit eignen sich ätherische Öle hervorragend zur Inhalation.
Bitterstoffe
Bitterstoffe unterteilen sich chemisch in drei Untergruppen: Glykoside, Laktone und Alkaloide, Bitterstoffe enthalten besonders Löwenzahn, Wermut und die Enziangewächse. Besonders gut wirken Bitterstoffe auf den gesamten Magen-Darm-Trakt, d.h. sie fördern die Verdauung und den Stuhlgang, wirken Blähungen, Appetitmangel und Völlegefühl entgegen. Die alte Redensart "Bitter muss Böses vertreiben" ("Nur bittere Medizin wirkt") wurde durch neue Untersuchungen bestätigt: Bitterstoffe stärken den gesamten Organismus und seine Immunabwehr. So erscheint der altbewährte bittere Kräuterschnaps auf einmal wieder in neuem Licht.
Bitterstoffe unterscheidet man in drei Gruppen:
Reine Amara: Enzian, Tausendgüldenkraut, Chinarinde. Fördern als Heil Tee vor allem die Verdauung.
Amara aromatica: Schafgarbe, Wermut, Engelwurz, Mariendistel. Diese Pflanzen bieten neben den Bitterstoffen auch reichlich ätherische Öle mit antibakteriellen Wirkungen. Als Heil Tee vor allem bei Gallen - und Leberleiden zu empfehlen.
Amara arica: Galgant, Ingwer, Pfeffer. Diese Heilpflanzen vereinen einen bitteren und scharfen Geschmack und werden meist als Würzmittel verwendet.
Flavonoide
Die Bezeichnung Flavonoide leitet sich von lateinisch "flavus" (gelb) ab, denn viele Flavonoide sind gelb bzw. orange. Flavonoide sind natürliche Pflanzenschutzstoffe, die immer aktiv an der Heilwirkung einer Pflanze beteiligt sind. Besonders häufig werden Flavonoid haltige Heil Tees zur Vorbeugung, zur Entgiftung und zur Regulierung der enzymatischen Pegel eingesetzt. Bekannte Flavoinoide sind Quercetin und Hyperosid. Typische Heilteepflanzen sind:
Buchweizen, Raute, Kamille, Süßholz oder Mariendistel
Gerbstoffe
Gerbstoffe besitzen eine adstringierende (zusammenziehende) Wirkung, d.h. sie können Eiweißstoffe in den Schleimhäuten binden (koagulieren) und damit Barrieren gegen Krankheitserreger errichten. Dan Bakterien auf den Schleimhäuten wird damit die Lebensgrundlage entzogen. Daher setzt man Gerbstoffe erfolgreich bei Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen ein, aber auch bei Darmkatarrhen, Hautentzündungen, Wunden oder Hämorrhoiden. Achtung: Gerbstoffe reizen die Magenschleimhaut!
Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffanteil sind:
Blutwurz, Heidelbeeren, Eichenringe, Walnussblätter, Schlangenknöterich, Frauenmantel oder Hamamelis. Die meisten Gerbstoffe befinden sich in den Rinden und Wurzeln der Pflanzen.
Glykoside
Glykoside gehören wie die Alkaloide zu den hochwirksamen und teils sehr giftigen Wirkstoffen, die auf das Herz, die Muskulatur und die Nerven wirken. Diese Wirkstoffe enthalten chemisch gesehen einen Zucker- und einen" Nichtzucker"-Anteil. Dabei bestimmt der Nichtzucker-Anteil die Qualität der Wirkung. Zu den stark wirkenden Glykosiden gehören beispielsweise der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) und das Maiglöckchen.
Für Heil Tees werden ausschließlich ungiftige Glykoside eingesetzt. Dabei unterscheidet man Arten von Glykosiden:
Saponin Haltige Pflanzen (mit Seifengeschmack) wie Bruchkraut, Goldrute, Lungenkraut, Königskerze, Primeln. Süßholz, Weißdorn oder Wundklee.
Senfölglykosid Haltige Pflanzen wie Meerrettich, Kresse, Knoblauch, Zwiebeln und natürlich Senf.
Flavon Haltige Pflanzen wie Birke, Blutwurz, Brombeeren, Gänsefingerkraut, Hauhechel, Johanniskraut und Kamille.
Hormonstimulanzien
Heilpflanzen selbst enthalten keine Hormone, aber sie bieten hormonelle Stimulanzien. Dabei nahmen die Heilpflanzen Einfluss auf das menschliche Zwischenhirn, das seinerseits die Hormonproduktion in den Drüsen steuert. So kann man mit Heil Tees die Schilddrüsenfunktion stabilisieren:
Blasentang, Wolfstrappkraut
man kann den Blutzuckerspiegel stabilisieren
Bohnenschalen, Haferstroh, Löwenzahnwurzel
oder die Prostata abschwellen lassen
Kürbiskerne
Achtung: Heil Tees sind keine Alternative zur Diabetes-Behandlung mit Insulin!
Kieselsäure
Kieselsäure ist ein wichtiger Baustein für den menschlichen Organismus. Sie wird für den Aufbau des:
Bindegewebes, der Haut, bei Sehnen, Bändern, Haaren und Nägeln benötigt.
Ein Mangel an Kieselsäure führt u.a. zu:
Bindegewebsschwäche, Krampfadern oder Zellulite.
Einige Heilpflanzen besitzen die Fähigkeit, Kieselsäure aus der Erde zu ziehen und sie in ihren
Blättern zu speichern. Dazu gehören:
der Ackerschachtelhalm oder der Spitzwegerich.
Heil Tees aus diesen beiden Heilpflanzen können entscheidend zur besseren Versorgung mit Kieselsäure beitragen und unterstützen damit die Kräftigung der Kollagenfasern im Bindegewebe
Salizylsäure
Salizylsäure ist heute in Form von Aspirin weltweit in jeder Hausapotheke anzutreffen. Ursprünglich stammt auch dieser heilbringende Wirkstoff aus der Natur:
Besonders die Silberweide bietet reichlich Salizylsäure, aber auch Mädesüß, Primeln und Ringelblumen.
Salizylsäure wirkt fiebersenkend gegen rheumatische Beschwerden, Kopf- und Zahnschmerzen - und gegen den Kater nach zu ausgiebigen Feiern.
Saponine
Der Name Saponine leitet sich vom lateinischen Wort " sapo" (Seife) ab. Wenn man Saponin Haltige Pflanzen kocht, dann bildet sich Schaum . Saponin Haltige Heilpflanzen sind beispielsweise:
die Königskerze und die Schlüsselblume.
Therapeutisch verwendet man Saponin Haltige Pflanzen zur Schleimlösung.
Fester Schleim beim Husten kann so leichter verflüssigt und ausgehustet werden.
Einige Heilpflanzen mit Saponinen sind auch wassertreibend (z.B. Süßholz). Daher finden sich in vielen fertigen Blasen- und Nieren Tees hohe Anteile Saponin Haltige Heilpflanzen.
Daneben gibt es noch die Steroiden Saponine, die den menschlichen Hormonen ähneln.
Die Ginsengwurzel bietet eine hohe Konzentration dieser Saponin Art.
Schleimstoffe
Unter Schleimstoffen versteht man kohlenhydrathaltige Stoffe wie Stärke, Zellulose oder Pektine. Chemisch gesehen gehören Schleimstoffe zu den Polysacchariden (Mehrfachzucker). Diese Stoffe können viel Wasser aufnehmen und bilden dann die schleimartige Konsistenz (visköse Lösung). Diese Schleimstoffe legen sich schützend auf gereizte Schleimhäute und lindern Entzündungen im
Hals- und Rachenbereich.
Bei solchen Polysacchariden des Roten Sonnenhuts wurde eine das Immunsystem stimulierende Wirkung nachgewiesen.
Heilpflanzen mit einem hohen Anteil von Schleimstoffen sind:
Eibisch oder Leinsamen. Dazu bietet Leinsamen auch noch einen aufquell Effekt, das heißt er wirkt leicht abführend.
Vitamine
Über die zentrale Bedeutung von Vitaminen für die gesunde Ernährung dürfte es inzwischen keinerlei Zweifel mehr geben. Die wichtigsten Vitamine bzw. Vitamingruppen im Zusammenhang mit Heil Tees sind:
Vitamin C: Einen extrem hohen Anteil an Vitamin C (Ascorbinsäure) bieten Zitrusfrüchte, Sanddorn, Paprika oder Hagebutte - idealerweise in frischem Zustand, aber in immer noch ausreichender Menge auch als Tee.
Vitamin B: Diese Vitamingruppe kommt hauptsächlich in Getreidesorten vor, sei es in Form von Müsli oder als Abkochung (Kochwasser von Hafer, Gerste, Dinkel oder Hafer).
Vitamin E: Hauptsächlich in Samen, Hülsenfrüchten, Nüssen und Getreidekeimlingen findet sich dieser Stoff. Aber auch Brunnenkresse bietet eine hohe Dosis an Vitamin E.
Vitamin A: Brunnenkresse und Spinat enthalten reichlich Vitamin A, wichtig für gute Augen.
Vitamine sind Lebensstoffe
Anders als bei Tieren stellt der menschliche Organismus so gut wie keine Vitamine selbst her. Das hat er im Laufe der Entwicklungsgeschichte verlernt. Daher müssen wir Vitamine als lebensnotwendige Bestandteile mit der Nahrung zu uns nehmen.
Grenzen der Selbstmedikation
Beim Einsatz von Heil Tees ist es sinnvoll, extreme Erwartungen zu vermeiden: Heil Tees sind keine Wundermittel, die schwere Erkrankungen heilen oder Operationen überflüssig machen. Sie sind auch kein Ersatz für Antibiotika, wenn deren Einsatz ärztlich angezeigt ist. Aber Heil Tees sind auch keine unwirksamen Spinnereien einiger "Gläubiger". Die Wahrheit liegt - wie so oft - in der Mitte.
Wann helfen Heil Tees?
Tees und Tinkturen aus Heilpflanzen geben jedem, der sich selbst therapieren möchte, ein sinnvolles und hilfreiches Mittel in die Hand. Selbstbehandlung macht Sinn bei leichteren Erkrankungen, deren Symptome und deren Ablauf gut bekannt sind, beispielsweise bei Erkältungen oder bei einem grippalen Infekt.
Da solche leichteren Gesundheitsstörungen erfahrungsgemäß wieder auftreten - man denke nur an die alljährlichen Erkältungswellen im beginnenden Winter -, weiß jeder um den Verlauf der Erkrankungen. Hier ist es sinnvoll, pharmazeutisch-chemische Unterdrückungspräparate zu meiden und erst einmal mit auf die Heilwirkungen der Natur zu vertrauen. Sie bietet uns ein riesiges Reservoir an natürlichen Wirkstoffen, die oft ähnlich effektiv wirken wie synthetische Präparate aber sanfter sind.
Grenzen der Selbstbehandlung
Wenn eine Erkrankung jedoch mit neuen, ihnen unbekannten Symptomen aufwarte, wenn sich der Verlauf als weitaus schwerer als erwartbar erweist, dann sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen. Als weiteres Kriterium gilt die Länge einer Erkrankung: Hier gelten drei bis höchstens vier Tage als Grenze der Selbstbehandlung. Als sicheres Anzeichen einer wirklich ernsten Krankheit gilt auch hohes und lang anhaltendes Fieber.
Wann es Zeit für den Arzt ist
Holen Sie unverzüglich ärztlichen Rat ein, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
Hohes und lang anhaltendes Fieber
Starke Schmerzen
Allergische Reaktionen auf Heil Tee. Atemnot, schnelle Anschwellung der Schleimhäute
Wenn bereits verschwundenen Symptome erneut und stärker auftreten
Instabiler Kreislauf, Herzrasen, Herzschmerzen jeglicher Art: Alarmieren Sie den Notarzt!
Wenn die leichten Symptome nicht nach spätesten drei Tagen gemildert oder verschwunden sind
Wenn Sie Hautveränderungen bemerken
Wenn starker Durchfall oder starke Schmerzen im Bauchbereich einsetzen .
Der goldene Mittelweg
Leben in Einheit mit der Natur. Heilen mit natürlichen Kräften (und ohne schädliche Nebenwirkungen), Einsatz der sanften Heilstoffe statt "chemischer Hämmer": Diesen Wunsch haben immer mehr Menschen in unserer über technisierten Welt mit all ihren Umwelt Gefahren. Gleichzeitig müssen die Krankenversicherungssysteme sparen: immer mehr medizinische Leistungen müssen von den Versicherten selbst bezahlt werden.
In dieser Situation sind Heil Tees ein ideales Mittel, um kleinere Gesundheitsstörungen selbst korrigieren zu können. Hierbei soll und kann diese Informationen helfen. Heil Tees sind keine Glaubenssache, sondern schlichte Erfahrungen-über Jahrhunderte gesammelt und erprobt.
Heil Tees selber sammeln
Heilpflanzen selber zu sammeln, ist nicht nur eine schöne und gesunde Beschäftigung, es ist darüber hinaus die ideale Methode, um sich mehr und intensiver mit diesen Heilkräutern zu befassen. Darüber hinaus schont es auch ihr Portemonnaie.
Aber es braucht eine ganze Menge an Voraussetzungen, um selber seine Heilpflanzen finden und verarbeiten zu können.
Voraussetzungen
Wer Heilpflanzen selber zu sammeln möchte, braucht dafür mehrere Voraussetzungen:
Naturbelassene Räume: Diese Räume (Naturwiesen) sollten nicht an stark befahrenen Straßen liegen, nicht im Wald oder am Waldrand, nicht neben bewirtschafteten Feldern und nicht neben Industrieanlagen. Schon diese Bedingungen sind für die meisten Menschen, die in städtischen Räumen leben, kaum oder gar nicht zu erfüllen sind. Solche Flächen gibt es nur im ländlichen Bereich. Streuobstwiesen sind ebenfalls tabu, weil hier der Befall mit Fuchsbandwürmen nicht ausgeschlossen werden kann.
Pflanzen Kenntnis: Der Sammler benötigt eine profunde Kenntnis vieler Heilpflanzen. Solche Kenntnisse kann man sich mit guten Kräuterbüchern aneignen. Manche Volkshochschulen bieten Kräuterkurse an , manche sogar Sammelkurse. Diese bieten oft den besten Einstieg in dieses neue Thema.
Giftige Pflanzen müssen unbedingt erkannt und vermieden werden. Hier droht Vergiftungsgefahr!
Naturschutzbestimmungen: Manche Pflanzen stehen unter Naturschutz und dürfen nicht oder nur teilweise oder nur zu bestimmten Zeiten gesammelt werden.
Zeitpunkt und Transport
Für die meisten Heilpflanzen ist der beste Zeitraum Frühling und Sommer-wenn die Pflanzen und Saft und Kraft stehen. Blüten sammelt man kurz nach dem Aufblühen, Blätter und Rinden im Frühjahr vor der Blüte, Wurzeln eher im Herbst. Nutzen Sie einen sonnigen Tag: Regennasse Pflanzen fangen schnell zu schimmeln an und werden unbrauchbar.
Sammeln Sie nur gesunde Pflanzen ohne Tierfrass. Nehmen Sie keine Pflanzen, die Ihnen unbekannte Veränderungen aufweisen (Pilzinfektionen, Milben, Mehltau). Schneiden Sie die Pflanzenteile ab und legen Sie diese in einem luftigen Korb, Die gesammelten Pflanzen sollten locker im Korb liegen.
Trocknung und Aufbewahrung
Zu Hause legen Sie alle gesammelten Pflanzen auf ausgebreitetes Papier. Schneiden Sie alle verblühten und vertrockneten Pflanzenteile einfach weg. Grobe Verschmutzungen sollten sie mit wenig Wasser beseitigen. Die pflanzen nicht waschen, denn mit dem Wasser verlieren Sie viele Heilstoffe.
Lassen Sie die Pflanzen an einem luftigen, aber windgeschützten Raum trocknen. Ab und zu umdrehen. Sie können die Pflanzen auch zusammenbinden und mit einer Schnur zum Trocknen aufhängen. Blüten sind nach rund fünf Tagen, Blätter nach einer guten Wochen trocken. In feuchten Klimaperioden kann die Trocknung länger dauern. Sie werden klar erkennen, wann die Pflanzen trocken sind. Fehlt Ihnen ein solcher Trockenplatz, dann legen Sie die Pflanzen auf Holzrosten in ihren Bachofen: nicht über 35°C erhitzen!
Zerteilen Sie die getrockneten Pflanzen in handliche kleine Stücke und fülle Sie damit verschließbare (dunkle) Gläser, Keramikgefässe oder Baumwollsäckchen. Sie sollten die Gefäße unbedingt beschriften, denn getrocknete und zerkleinerte Pflanzen sind nur schwer zu unterscheiden.
Zubereitungsarten
Die Wahl der geeigneten Zubereitungsart wird bestimmt von der Frage, welcher(r) Wirkstoffe(e) der Heilpflanze entzogen werden soll. Die drei Zubereitungsarten unterscheiden sich vor allem durch die Temperatur. Die wichtigsten Zubereitungsarten sind:
Aufguss (Infusion, Infus), z.B. für Blüten und Blätter
Abkochung (Decoctum, Dekokt)), z.B. für Wurzeln
Kaltauszug (Mazeration, Mazerat)
Aufguss
Der Aufguss (Infusion oder Infus) ist die am häufigsten eingesetzte Art der Teezubereitung. Man übergießt die getrockneten Heilkräuter mit kochend heißem Wasser und lässt sie etwa fünf bis zehn Minuten zugedeckt ziehen. Dann entfernt man die Teeblätter, indem man die entweder abseiht (durch ein Sieb gießt) oder das verwendete Teesieb oder Tee-Ei herausnimmt.
Bitte beachten Sie: Das Wasser soll kochend heiß sein, aber nicht mehr sprudeln. Dadurch werden die Heilstoffe aus den Pflanzen herausgelöst, die ätherischen Öle aber nicht zerstört. Bei ganz empfindlichen Pflanzenbestandteilen (z.B. Stiefmütterchen Blüten) sollte das Wasser deutlich weniger heiß sein (so genannter Lau-Aufguss). Hier sollte der aufgegossene Tee mindestens eine halbe Stunde lang ziehen.
Kaltauszug
Der Kaltauszug (Mazeration, Mazerat) eignet sich, wenn man die Schleimstoffe und ätherischen Öle für den Heil Tee erhalten möchte, z.B. bei Leinsamen, Faulbaumrinde und Leberblümchenkraut. Hierbei setzt man die Kräuter mit kaltem Wasser an und lässt sie sechs bis zwölf Stunden stehen. Dann abseihen. Durch die lange Zeit, die die Kräuter im Wasser liegen, können sich Keime entwickeln. Wer hier Bedenken hat, kann abgekochtes Wasser verwenden oder den Kaltauszug nach dem Abseihen ganz kurz erhitzen (z.B. in der Mikrowelle).